Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923)

 
 
Kindheit und Schulzeit
Studium und Professur
Meilenstein in der Medizingeschichte
Privatleben
 
   
 

Kindheit und Schulzeit

Am 27. 3. 1845 wurde Wilhelm Conrad Röntgen als einziges Kind des Tuchfabrikanten Röntgen und dessen Frau Charlotte in Lennep bei Remscheid geboren.

Aus wirtschaftlichen Gründen wanderte die Familie einige Jahre später in die Niederlande aus.

Seine Jugend- und Schuljahre verlebte Röntgen in Apeldoorn und in Utrecht, wo er die Technische Schule besuchte, aus disziplinarischen Gründen aber der Schule verwiesen wurde. Ein Mitschüler Röntgens hatte eine Karikatur eines unbeliebten Lehrers auf den Ofen des Klassenzimmers gezeichnet. Während Röntgen dieses „Kunstwerk“ betrachtete, wurde er von besagtem Lehrer überrascht und für den Übeltäter gehalten. Dadurch konnte er das Abitur trotz guter Leistungen nicht erwerben.
 
 

Studium und Professur

Trotzdem konnte Röntgen 1865 in Zürich ein Studium des Maschinenbaus aufnehmen. Denn das dortige Polytechnikum verlangte statt des Abiturs eine bestandene Aufnahmeprüfung als Zugangvoraussetzung. Im Jahr 1868 legte Röntgen sein Diplom als Maschinenbauingenieur ab und schloss noch ein Aufbaustudium in Physik an, was er mit einer Promotion 1869 ebenfalls erfolgreich zum Abschluss führte.

1870 folgte Röntgen seinem Doktorvater und Mentor August Kundt als Assistent nach Würzburg. Da ihm jedoch die Universität Würzburg die Habilitation aufgrund seines fehlenden Abiturs verweigerte, zog es ihn schon bald nach Straßburg, wo er die angestrebte Habilitation 1874 erwerben konnte.

Bereits ein Jahr später nahm er seinen ersten Ruf an, eine außerordentliche Professur für Physik und Mathematik an der Landwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim bei Stuttgart. Die Tätigkeit an dieser Hochschule befriedigte Röntgen jedoch nicht. Ihm wurde zwar eine gute Lehre bescheinigt. Aber Röntgen standen für eigene Forschungen nur beschränkte Mittel zur Verfügung, so dass er froh war, 1876 wieder nach Straßburg zurückkehren zu können.

1879 folgte er einem Ruf auf eine ordentliche Professur für Physik nach Gießen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Röntgen in Fachkreisen bereits einen hervorragenden Ruf als hochqualifizierter Wissenschaftler erworben.

1888 kehrte er nach Würzburg zurück – an eben jene Universität, die ihm Jahre zuvor eine wissenschaftliche Laufbahn verweigert hatte. 1894 wurde er zum Rektor gewählt.
 
 

Meilenstein in der Medizingeschichte

Das Jahr 1895 bedeutete mit der aufsehenerregenden Entdeckung der Röntgenstrahlen eine entscheidende Wende in der Geschichte der Medizin. Am 8. November dieses Jahres stieß Röntgen bei der Forschung mit Kathodenstrahlen auf ein neues physikalisches Phänomen: unsichtbare Strahlen, mit deren Hilfe es möglich wurde, das bisher verborgene Innere eines Körpers zu betrachten.

Diese bis dahin unbekannten Strahlen nannte Röntgen vorerst „X-Strahlen“, später wurden sie dem Erfinder zu Ehren als „Röntgen-Strahlen“ bezeichnet.

Am Abend des 23. Januar 1896 hielt Röntgen vor der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft zu Würzburg einen Vortrag, in dem er seine jüngste Entdeckung einem staunenden Publikum vorstellte. Die Nachricht von der revolutionären Entdeckung ging wie ein Lauffeuer durch die ganze Welt. Der stille Forscher Röntgen stand nun plötzlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er entzog sich jedoch weitgehend dem Trubel und setzte seine wissenschaftlichen Arbeiten stattdessen unbeirrt fort. Da er zudem die Patentierung seiner Entdeckung ablehnte, war es möglich, die Röntgenstrahlen sofort zum Nutzen der Menschen anzuwenden.

1900 wechselte Röntgen an die Universität München, wo er am Institut für Experimentelle Physik bis zu seinem Tod lehrte.

Ein Jahr später,1901, wurde Röntgen der Nobelpreis für Physik verliehen - es war der erste Nobelpreis überhaupt, der vergeben wurde.

Am 10. 2. 1923 verstarb Röntgen in München an den Folgen eines Darmkrebses.

In seinem Testament verfügte er die Verbrennung seines wissenschaftlichen Nachlasses, sehr zum Kummer vor allem der wissenschaftlichen Nachwelt.
 
 

Privatleben

1872 heiratete Röntgen Anna Bertha Ludwig, mit der er mehr als 50 Jahre in glücklicher Ehe verbrachte. Vor allem in den turbulenten Jahren nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen war ihm seine Frau eine große Stütze.
Die Ehe blieb kinderlos, das Paar nahm die sechsjährige Tochter von Frau Röntgens Bruder bei sich auf und adoptierte das Kind.

Neben seiner umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit fand Röntgen auch noch für Aktivitäten wie der Jagd Zeit. Seine Liebe zur Natur zog ihn zusammen mit seiner Frau häufig in die Schweiz, wo er auf ausgedehnten Wanderungen oder Jagdausflügen neue Kräfte tankte.

Die enge Verbundenheit zwischen den beiden Eheleuten zeigte sich auch daran, dass Röntgen seine schwerkranke Frau bis zu deren Tod im Jahr 1919 aufopferungsvoll pflegte. Den Verlust seiner Frau verkraftete Röntgen nur äußerst schwer. Er fühlte sich in den letzten Jahren seines Lebens zunehmend einsam und verlassen.
 
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