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Erwin
Moritz Reiniger (1854-1909) - Der Gründervater
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Experimentiergehilfe
an der Universität Erlangen
Erwin
Moritz Reiniger kam am 5. April 1854 als Sohn des wohlhabenden
Schmuckwarenfabrikanten Moritz Reiniger und seiner Frau Wilhelmine
Charlotte in Stuttgart zur Welt. Nach der Schulzeit arbeitete
er einige Monate im väterlichen Betrieb und ging 1875 als
Volontär nach Nürnberg, wo er in einer mechanischen
Werkstätte arbeitete.
Im
April 1876 kam er als Experimentiergehilfe zu Professor Lommel,
mit dem Vater Reiniger befreundet war, an das Physikalische Institut
der Universität Erlangen.
Nebenbei
verrichtete er Reparaturarbeiten an den Universitäts-Instituten
und -Kliniken. Diese Aufträge nahmen bald einen solchen Umfang
an, dass Reiniger den Dienst an der Universität quittierte,
um sich selbstständig zu machen.
Sein
dürftig eingerichtetes Atelier befand sich im alten Kollegienhaus,
heute Mineralogisches Institut. Für seine Arbeit erhielt Reiniger
ca. 750 Mark (zum Vergleich: ein poliklinischer Oberarzt verdiente
2.000 Mark, ein poliklinischer Assistenzart 1.200 Mark).
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Eigener
Unternehmer
Im
April 1877 mietete er in Erlangen am Schlossplatz 3 eine eigene
handwerkliche Reparaturwerkstätte an, in der er feinmechanische,
physikalische, optische und elektromedizinische Apparate herstellte.
Seine
"Spezialität" waren die sogenannten Doppelkollektoren,
die dazu dienten, galvanische Elemente hintereinander oder parallel
zu schalten, je nachdem, wie die Spannung und Stromstärke
der Batterie geändert werden sollte. Die für die elektrischen
Apparate benötigten Messinstrumente bezog Reiniger ab 1885
von der Stuttgarter Firma "Gebbert und Schall".
Der
erste Gehilfe, Richard Hennig, wurde am 24. Mai 1877 eingestellt.
Mit diesem Datum begann die heute über 125 Jahre alte Geschichte
der Medizintechnik in Erlangen!
Anfang
1878 löste Reiniger sein Arbeitsverhältnis mit der Universität.
Im März erhielt er auf ein Gesuch von Professor Lommel den
Titel eines "Universitäts-Mechanikers".
Die
Familie von Moritz Reiniger war unter anderem auch mit der Familie
Siemens befreundet. In einem Brief vom September 1881 an Werner
von Siemens bittet Vater Reiniger Werner Siemens, seinem
Sohn in einer Patentangelegenheit behilflich zu sein.
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Florierender
Betrieb
Bis
1884 erhielt Reiniger drei anerkennende Zertifikate und Auszeichnungen:
sein Betrieb umfasst Ende 1885 bereits 15 Beschäftigte: 6 Mechaniker,
1 Gehilfen, 2 Schreiner, 1 Schraubendreher, 1 Hausknecht, 1 Buchhalter,
1 Comptoiristen (kaufmännischer Angestellter), 1 Kaufmannslehrling
und 1 Comis.
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Firmengründung
von RGS
Als
sich drei Feinmechaniker Reiniger, Gebbert
und Schall
im Jahr 1885 persönlich kennenlernten, beschlossen sie, sich
zusammen zu tun und gründeten 1886 die "Vereinigte physikalisch-mechanische
Werkstätten von Reiniger, Gebbert & Schall, Erlangen
- New York - Stuttgart" oHG. Karl
Schall schied 1888 aus, um in London eine eigene
Niederlassung zu gründen.
Im
Juni 1895 (ein halbes Jahr vor Röntgens Entdeckung!) trat
Reiniger "aus Gesundheitsgründen" aus der Firma
aus und kaufte mit der Abfindung, die ihm Gebbert nicht ohne große
Mühen ausbezahlt hatte, in München die 'Bayerische Glühlampenfabrik'.
Nach dem Verkauf an eine spanische Firma gründete Reiniger
mit dem Ingenieur Mistereck eine Fabrik für elektrische Präzisionsinstrumente,
die er dann an einen Neffen weiterverkaufte.
Daraufhin
zog sich Reiniger ins Privatleben zurück. Er starb am 2. April
1909 in München.
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Privatleben
Im
September 1879 hatte Reiniger eine Pfarrerstochter aus Deggerloch,
Maria Schlaich, geheiratet; sie hatten 3 Kinder.
Im
März 1882 erst bekam er das Erlanger Bürgerrecht zuerkannt,
da man mindestens 5 Jahre in der fraglichen Gemeinde gelebt haben
musste, und kurz darauf die bayerische Staatsbürgerschaft.
Nach
seinem Tod musste sich seine Witwe mühsam mit Handarbeiten
über Wasser halten, weil ihr Mann nichts an Vermögen hinterlassen
hatte. Sie ersuchte den Aufsichtsrat von RGS um Hilfe und erhielt
daraufhin bis zu ihrem eigenen Tod eine Leibrente.
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